Jan Wagners Gedichte überraschen mit ungewöhnlichen Reimen und Bildern

Eigentlich wollte ich mir schon seit Längerem einmal das ORi im Berliner Stadtteil Neukölln ansehen. Und seit Längerem – oder genauer gesagt, seitdem er 2015 den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten hat – wollte ich auch schon den Lyriker Jan Wagner erleben. Da passte es gleich doppelt, dass das ORi für den 31. März 2016 zu einer Lesung mit Wagner eingeladen hatte.

Um es gleich vorwegzunehmen: Es war ein wunderbarer, eindrucksvoller Abend. Im Mittelpunkt der Lesung stand Wagners neuester, 2015 wiederum bei Hanser erschienener Gedichtband »Selbstporträt mit Bienenschwarm. Ausgewählte Gedichte 2001–2015«.

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Seit mehr als einem halben Jahrhundert gehört Leonhard Kossuths Herz der multiethnischen sowjetischen Literatur

Leonhard Kossuth hat nicht nur über Jahrzehnte als Cheflektor im Verlag Kultur und Fortschritt sowie leitender Lektor für Sowjetliteratur im Verlag Volk und Welt, sondern ebenso als Literaturkritiker für den DDR-Rundfunk und die Berliner Zeitung ganz entscheidend zur Popularisierung sowjetischer Schriftsteller in der DDR beigetragen. Heute sind es Zeitungen wie Neues Deutschland, Ossietzky und Blättchen, in denen er nunmehr für die multiethnische Literatur der ehemaligen Sowjetunion wirbt.

Eine kleine Auswahl seiner zwischen 1973 und 2015 erschienenen Rezensionen hat er Ende März 2016 im Max-Lingner-Haus in Berlin vorgestellt. 120 seiner Rezensionen liegen seit 2015 zudem in einem Sammelband vor, den der Nora-Verlag unter dem etwas unglücklichen Titel »Aber der Wagen, der rollt« veröffentlicht hat.

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Christian Adam über die Neuordnung der Bücherwelt in Ost und West nach 1945

Seitdem 2010 seine Untersuchung »Lesen unter Hitler. Autoren, Bestseller, Leser im Dritten Reich« erschienen ist, gilt der Literaturwissenschaftler Christian Adam als Fachmann für eine neue, ungewohnte Betrachtungsweise des nationalsozialistischen Literaturbetriebes. Auf einer Diskussionsveranstaltung am 22. März 2016 im Literaturforum im Brecht-Haus stellte er nun seine neueste Untersuchung vor: »Der Traum vom Jahre Null. Die Neuordnung der Bücherwelt in Ost und West nach 1945«.

Für Adam bestehen keine Zweifel, dass »wir« 1945 nicht bei null begonnen haben. Das konnte alleine schon deshalb nicht der Fall sein, weil die Menschen die gleichen geblieben waren. So wenig wie sich ihr Weltbild alleine durch die Befreiung – oder, wie wohl eine Mehrheit formulierte, die Niederlage – änderte, änderten sich auch ihre Lesegewohnheiten.

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Mit Ruth Rehmann starb jetzt eine der Letzten aus der legendären Gruppe 47

Ruth Rehmann? Ruth Rehmann … Nie gehört. Hätte es nicht die zahlreichen Nachrufe auf die am 29. Januar 2016 kurz vor ihrem 94. Geburtstag verstorbene Schriftstellerin gegeben, wäre mir der Name wohl auch weiterhin unbekannt geblieben. Dabei ist ihr Werk nicht gerade klein zu nennen und gehörte sie zu den Autorinnen und Autoren der legendären Gruppe 47.

Dass sie sich gegen Schriftsteller wie Günter Grass, Martin Walser oder Heinrich Böll nicht durchzusetzen vermochte, lag weniger an der literarischen Qualität ihrer Bücher als vielmehr an ihrer Zurückhaltung, was ihre eigenen Werke betraf, und den teilweise vielen Jahren Abstand zwischen ihren Veröffentlichungen. Trotzdem weist die Deutsche Nationalbibliothek 13 Romane und Erzählbände von ihr aus, zu denen noch rund ein Dutzend Hörspiele hinzukommen.

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Menschen zu Spreu erklärt

Gerade im öffentlich-rechtlichen RBB Inforadio gehört: Die große Koalition hat eine Asylrechtsreform beschlossen und will bei der Aufnahme von Flüchtlingen zukünftig, so die Moderatorin, »zwischen Spreu und Weizen« unterscheiden.

Nun mag der Duden zwar nicht die letzte Instanz sein, aber an seiner Definition für Spreu dürfte sich nur schwer rütteln lassen: »aus Grannen, Hülsen, Spelzen u. Ä. bestehender Abfall des Getreides, der beim Dreschen anfällt«. In übertragener Bedeutung heiße das, »zur Spreu gehören (zu den vielen unbedeutenden Menschen gehören)«.

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