Ausstellung beweist: Dada ist zwar 100, aber noch lange nicht tot

Für wohl keine andere Kunstrichtung kann der Beginn so genau datiert werden wie für Dada: Der Kalender zeigte Samstag, den 5. Februar 1916, als Hugo Ball und Emmy Hennings in der Spiegelgasse 1 in Zürich das Cabaret Voltaire eröffneten und damit zugleich den Dadaismus ins Leben riefen.

Dieses Jubiläum, dachte der Verleger und Handpressendrucker Marc Berger, sollte gefeiert werden: durch den »Widerdruck«-Kalender 2016. Seit bald zwanzig Jahren stellt ein kleiner Kreis von Handpressendruckern jährlich 12 bis 13 Blätter zu einem Kalender zusammen, der in kleiner Liebhaberausgabe von Hand gedruckt wird. »Dada ist 100« stieß bei den Beteiligten allerdings auf so begeisterte Resonanz, dass bald die Idee entstand, die Kalenderblätter zur Grundlage einer Ausstellung mit breiterer Beteiligung zu machen.

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Eine Ausstellung rund um Buchkunst mit eindrucksvollen Fotos von Buchlesern

Es ist nur eine kleine, aber doch sehr nette Ausstellung: »B – Kunst rund ums Buch, Buchkunst, Kunstbuch, Buch mit Kunst oder auch Buchstaben in der Kunst und Bücher«. Gezeigt werden Arbeiten von zehn Künstlerinnen und Künstlern. Die Themenpalette ist, wie es bereits der Titel ankündigt, sehr breit.

Einen Glanzpunkt stellen die Fotos von Peter Zenker dar. Im Mittelpunkt seiner sozialkritischen Fotografie stehen immer die Menschen. In diesem Fall sind es lesende Menschen. Egal ob auf der Straße, auf Bahnhöfen, in der Bahn, in Parks oder am Wasser, überall sieht Peter Zenker nicht nur Zeitgenossen, die auf dem Smartphone herumhacken oder sich von der Boulevardpresse einlullen lassen, sondern auch Menschen, die in Büchern lesen.

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Eine Hommage an Erich Mühsam zum 82. Jahrestag seiner Ermordung durch die SS

Vor 82 Jahren, am 10. Juli 1934, wurde der Schriftsteller, Publizist und Antimilitarist Erich Mühsam von der SS-Wachmannschaft des KZ Oranienburg bestialisch ermordet. Diesen Jahrestag nahm die Anwohner*inneninitiative »Hufeisern gegen rechts« zum Anlass, zu einer »Hommage an Erich Mühsam« in der Berliner Hufeisensiedlung einzuladen.

Veranstaltung zu Erich Mühsam
Der Singende Tresen auf der Ehrung von Errich Mühsam in der Hufeisensiedlung
Foto: Heinz W. Pahlke

1919 vom Münchner Standgericht als Mitglied des Zentralrats der Münchener Räterepublik zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt und 1924 im Zuge einer Generalamnestie freigelassen, war Mühsam seiner aus München vertriebenen Frau Zenzl nach Berlin gefolgt. 1927 bezogen sie schließlich eine Wohnung in der von Bruno Taut konzipierten und kurz zuvor fertiggestellten Hufeisensiedlung im Berliner Ortsteil Britz.

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Bertolt Brechts »Lesebuch für Städtebewohner« als literarische Vorwegnahme der Judenvernichtung

Um sonst die Originale von Bertolt Brechts Gedichten für das geplante, aber nie vollendete »Lesebuch für Städtebewohner« anschauen zu können, muss man schon ein tiefer gehendes wissenschaftliches Interesse nachweisen. Auf dem Sommerfest 2016 im Brecht-Haus in Berlin bot sich nun auch für »Normalsterbliche« die seltene Gelegenheit, die Manuskripte mit Brechts handschriftlichen Korrekturen betrachten zu dürfen.

Die zehn Gedichte, die Brecht später unter dem Titel »Aus dem Lesebuch für Städtebewohner« zusammenfasste, entstanden 1921 bis 1926. Einzeln veröffentlicht wurden sie von November 1926 bis Januar 1927 im linksliberalen Berliner Börsen-Courier und im Dezember 1930 schließlich als Zyklus unter dem Namen »Aus dem Lesebuch für Städtebewohner« in Heft 2 der »Versuche«.

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Mit dem Selfpublishing sollte alles anders werden – Konservatismus war damit jedoch nicht gemeint

Vielleicht trauere ich einfach nur zu sehr den Illusionen der ersten Stunde nach. Was wurde Mitte der 1990er Jahre gejubelt, als mit dem aufkommenden Digitaldruck ganz neue Veröffentlichungsmöglichkeiten entstanden. Endlich konnte jeder nicht nur schreiben, sondern auch veröffentlichen. Niemand musste sich mehr den Profitinteressen der Verlage unterordnen. Ganz viel Neues, noch nie Dagewesenes sollte entstehen.

Und heute? Wo sind all die vielen kreativen Neuschöpfungen? Vielleicht sehe ich immer nur die anderen Titel und nie die noch nie dagewesenen. Repräsentativ ist mein Überblick sicherlich nicht und sehr subjektiv zweifellos auch meine Wahrnehmung. Doch zahlreiche Gespräche mit Autorinnen und Autoren lassen für mich keine Zweifel aufkommen: Die Selfpublisher-Szene ist eher noch konservativer als die Verlagsszene.

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