Saphia Azzeddine lässt ihren Helden in »Mein Vater ist Putzfrau« nach Worten und Frauen suchen

Eines muss ich Saphia Azzeddine bescheinigen: Ihren Roman »Mein Vater ist Putzfrau« zu lesen, bereitet viel Vergnügen. Im Mittelpunkt steht der vierzehnjährige Paul, genannt Polo. Er lebt in einer der Pariser Banlieues, ist weiß, hässlich und arm. Seine Mutter sitzt im Rollstuhl, die Schwester hangelt sich durch die Betten und träumt von einer Karriere als Schönheitskönigin und sein Vater verdingt sich als Reinigungskraft, um der Familie ein leidliches Auskommen zu sichern.

Nach der Schule greift Paul ihm oft unter die Arme. Er poliert, putzt, scheuert und saugt Staub, damit »wir früher nach Hause kommen. Und auch, weil er mein Vater ist«.

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Erstmals veröffentlicht: Clara Zetkins Briefe gegen den Krieg und die Burgfriedenpolitik der SPD

Sie stritt für den Frieden und gegen den ersten Weltkrieg, für die Gleichberechtigung der Frau und initiierte den internationalen Frauentag: Clara Zetkin. Doch ihr Werk ist kaum erschlossen. In der DDR erschienen 1955 eine einbändige und ab 1957 eine dreibändige Auswahl von Reden und Schriften und ebenfalls 1957 eine ausführliche Biographie. In der BRD interessierte sie dagegen kaum jemanden. Die Briefe blieben allerdings auch in der DDR weitgehend unbeachtet. Umso erfreulicher ist es, dass mit »Die Kriegsbriefe« jetzt der erste Band ihrer sehr umfangreichen Korrespondenz veröffentlicht worden ist.

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Für sprachliche Schön- und Feinheiten ist in der »Leichten Sprache« kein Platz

So wie blinde Menschen ein Recht auf darauf hätten, dass ihnen Texte und überhaupt schriftliche Informationen akustisch oder in Blindenschrift zugänglich gemacht werden, oder gehörlose Menschen, dass ihnen Gebärdendolmetscher die Kommunikation mit hörenden Menschen ermögliche, fordert das Netzwerk Leichte Sprache seit Langem, müsse auch lernbehinderten Menschen die sprachliche Teilhabe an der Gesellschaft erleichtert werden.

Vor allem für diesen Personenkreis wurde deshalb die sogenannte »Leichte Sprache« entwickelt. Darüber hinaus könnten auch andere Bevölkerungsgruppen von der Leichten Sprache profitieren – behaupten jedenfalls viele ihrer Befürworter. Politische Nachrichten, wissenschaftliche Veröffentlichungen, Steuerfragebögen und vieles mehr würde für die Allgemeinheit verständlicher, führen sie als Argument an.

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Gelungene Satiren: Benito Wogatzkis „Das Narrenfell“ und „Fleur“

Benito Wogatzki gehörte in der DDR zu den populärsten Schriftstellern. Kurz nach seinem Tod am 25. Juli 2016 hatte ich in einem Nachruf auf diesem Blog an ihn und seine Romane »Romanze mit Amélie«, »Ein goldener Schweif am Horizont von Thumbach« und »Flieh mit dem Löwen« erinnert.

Nicht lange danach bekam ich seine Romane »Das Narrenfell« und »Fleur« geschenkt. Beide Bücher wollte ich ebenfalls auf dem Sprachrand vorstellen. Doch dann wurde der Blogbeitrag länger und länger – zu lang für den Sprachrandblog. Und so findet er sich jetzt als Zweiteiler auf den Buchentdeckungen. Im Mittelpunkt des ersten Teils steht sein Roman »Das Narrenfell«, im zweiten der Roman »Fleur«.

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Bald zwei Jahrzehnte wurde in Moskau um ein Denkmal für Michail Bulgakow gestritten

Moskau bekommt endlich ein Bulgakow-Denkmal. Oder genauer gesagt: sein erstes, das jederzeit öffentlich zugänglich ist. Das erste Denkmal überhaupt steht im Bulgakow-Museum in der Bolschaja Sadowaja ulica 10, wo Michail Bulgakow von 1921 bis 1924 mit seiner ersten Frau Tatjana Nikolajewna Lappa gelebt hat. Das neue dagegen an der Bolschaja Pirogowskaja ulica neben dem Haus, in dem Bulgakow ab 1924 mit seiner zweiten Frau Ljubow Jewgenjewna Beloserskaja gelebt hat.

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