Klein, aber fein: Heinz Marohns Gedichtband »Spring Quelle spring, mich dürstet«

Gerade einmal 64 Seiten zählt Heinz Marohns Gedichtband »Spring Quelle spring, mich dürstet«. Marohn war vor allem Historiker. Bekannt wurde er vor allem durch seine gemeinsam mit dem Historiker Eberhard Czichon veröffentlichten Sachbücher über die »DDR im Perestroika-Ausverkauf« und über den 1944 von den Nazis ermordeten KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann. Seine Gedichte erschienen erst postum 2017, zwei Jahre nach seinem Tod.

Viele Gedichte sind politisch. Es geht um den Nahen Osten, um den Frieden, der »kein Geschenk, weder des Himmels noch von Menschen« ist, sondern aus »aktivem Handeln« kommt, um die »Abermillionen Toten und Geschädigten aller Kriege«, um das Einmischen gegen Unrecht. Noch häufiger allerdings schreibt Marohn über die Liebe, eine Liebe »Hoffend auf Wiederkehr«, zwischen »Erwartungen« und »Enttäuschung«, so wie in seinem Gedicht »Mein Traum«:

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Martin Amstutz’ »Wochenblätter« in der Galerie Eremitage

Auf den ersten Blick könnte man denken, es handele sich tatsächlich um die Titelseiten einer Zeitung. Immerhin prangt auf ihnen in großen Lettern gedruckt »Wochenblatt«. Tritt man näher, liest man Nummern wie 103, 124, 135, 166, 234, 276, 311, 471, 585 oder 655, die auf eine traditionsreiche Wochenzeitung hindeuten. Selbst ein ausführliches Impressum fehlt nicht.

Eines allerdings lässt einen bald stutzig zu werden: Für eine Zeitung sehen viele Titelseiten viel zu experimentell aus. Da gibt es nicht nur Schlagzeilen, Berichte und kurze Meldungen, sondern mitten über den Text ist beispielsweise fett »13 Stühle«, »Rudovous – Käptn Rotbart reitet wieder«, »13. Februar folgt grüner Katze zum Glück« oder »Plan P läuft« gedruckt. Oft sind die Aufdrucke auch in anderen Sprachen: tschechisch, russisch, englisch.

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Mehr Literatursendungen im Radio als gedacht

Literatur im Radio? Gibt es natürlich, aber nur selten. So meine bisherige Überzeugung. Doch die Wirklichkeit sieht viel erfreulicher aus. Der freie Journalist, Buchautor und Blogger Jens Brehl hat recherchiert: Alleine im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt es mindestens 86 Sendungen, die sich dem Thema Bücher widmen.

Die Spannbreite reicht von Buchvorstellungen und Autorenportraits über Lesungen und Festivals bis zu Verleger- und Kritikergesprächen. Es geht um ganz allgemein Belletristik, um Krimis, Reiseführer, Kinder- und Jugendbücher, Lyrik, um Sachbücher, um Bücher von deutschsprachigen und fremdsprachigen Autorinnen und Autoren, um Hörbücher und manchmal auch E-Books.

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Über positiven und negativen Optimismus

Letzte Nacht im Radio gehört: »positiver Optimismus«. Nun habe ich zwar eine Vorstellung von positiv und von Optimismus, aber ein Blick in den Duden kann ja nie schaden. »Optimismus« definiert dieser als »Lebensauffassung, die alles von der besten Seite betrachtet; heitere, zuversichtliche, lebensbejahende Grundhaltung« und »positiv« als »bejahend […] günstig, vorteilhaft, wünschenswert, erfreulich«. Ich hätte es ähnlich formuliert.

Aber »positiver Optimismus«? Eine bejahende lebensbejahende Grundhaltung? Mein Deutschlehrer hätte mir das als Ausdrucksfehler oder – wie es flapsig ausgedrückt hieß – doppeltgemoppelt angestrichen. Oder sollte mit dem »positiv« von einem negativen Optimismus abgegrenzt werden, wobei sich dann allerdings sogleich die Frage stellte, was unter diesem negativen Optimismus zu verstehen wäre.

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Mit Werner Klemke wurde in Berlin endlich einer der international bedeutendsten Buchillustratoren geehrt

»Er war einer der berühmtesten Buchillustratoren der DDR von internationaler Bedeutung«, heißt es in leicht verschwurbelter Sprache auf der Gedenktafel am Haus Tassostraße 21 in Berlin-Weißensee. Die Ehre gilt Werner Klemke, der hier von 1954 bis zu seinem Tode 1994 gelebt hat. Am 12. März 2017 wäre er einhundert geworden.

Das erste Mal kam ich mit seinen Zeichnungen in Berührung, als mir meine Eltern Benno Pludras wunderbares Kinderbuch »Bootsmann auf der Scholle« schenkten. Natürlich wusste ich damals nicht, dass der Einband und die Illustrationen im Buchblock von Klemke stammten, doch hinterließen sie einen bleibenden Eindruck. Bis heute steht dieses Büchlein in meinem Bücherschrank. Leider irgendwann verloren gegangen ist dagegen Fred Rodrians Kinderbuch »Hirsch Heinrich« mit den nicht weniger eindrucksvollen Illustrationen Klemkes.

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